Friedensfahrtsflair live erlebt und mitgeradelt

 

Per Rollstuhlfahrrad durch Polen, Tschechien und Deutschland

 

 

Gottfried Preising, langjähriger Radrennfahrer der DDR-Nationalmannschaft und Friedensfahrtskandidat von 1976, radelte erstmalig mit seinem Co-Piloten Lutz Krajinski per Rollstuhlfahrrad bei der 54 internationalen Friedensfahrt  von Lodz über Pilsen nach Potsdam. Als Vater eines behinderten Sohnes und jetziger Direktor  der Europa-Radschule Netzschkau widmet er sich seit 10 Jahren dem Radfahren für  schwer-, mehrfach- und geistig Behinderte. Mit Spezialrädern vermittelt er ihnen nicht nur ein höheres Selbstwertgefühl durch Freude an regelmäßiger Bewegung, sondern zog sie von Anfang an in seine Radwander- und Europatouren voll mit ein.  Durch Aktion wie die Rollstuhlfahrradtour  zu den olympischen Spielen nach Barcelona, zu Spitzensportereignissen nach Paris, Oslo, Stuttgart und  nicht zu letzt in die Alpen motiviert er sich trotz seiner inzwischen 46 Jahren immer wieder neu, Berührungspunkte zwischen den Hochleitungssportler und den Behinderten zu suchen und zu pflegen.

 

 

Begegnung mit Kindern   in der Umgebung am Lodz        11.5.01

Friedensfahrt 2001

 

Es ist wohl für jeden Radsportbegeistern ein tolles und einmaliges Erlebnis, die internationale Friedensfahrt live nicht nur im Fernsehen, sondern direkt auf der Strecke verfolgen zu können.“, beginnt sein spastisch gelähmter Co-Pilot, Lutz Krajinski, von seiner Friedensfahrtpremiere zu berichten. In den 8  Tagen der Tour  legten sie 850 km zurück und saßen dabei täglich ca. 10 Stunden auf dem Rad.

54. Friedensfahrt  Das Rollstuhlfahrrad am Start in Lodz                                                                         11.05.01

 Nicht nur für Preising eine starke Kraft- und Ausdauerleistung, der mit purer Beinkraft das, nicht weniger als 200 kg, schweren Rad sogar 3 Berge über 1000 m der 1. Kategorie bewegte, sondern auch für Krajinski  auf dem Rad zur Bewegungslosigkeit  verdammt, Wind und Wetter zu trotzen.

„Als die Fanfare zur 54. Friedensfahrt ertönte rollten wir mit dem Rollstuhlfahrrad im Startbereich erwartungsvoll und gespannt hin und her..  Die Rennfahrer waren noch dabei, sich in die Startleiste einzutragen. Trotz des hektischen Treibens, tausendende Zuschauer schäumten in der Innenstadt von Lodz die Strecken, Helfer und Betreuer hatten alle Hände voll zu tun, Sponsoren mussten ins rechte Licht und ihre Autos in Aufstellung gebracht werden, herrschte eine freudige und gelöste Stimmung.

Einschreiben in die Stadtliste zur 54 Friedensfahrt                   Lodz    11.05.01

Viel Händeschütteln mit ehemalige Mannschafts-kameraden, Trainer und Helfer aus Gottfrieds aktiven Zeit. Wenn auch die Wiedersehensfreude überwiegte, konnten es die Wenigstens fassen, dass Gottfried mit diesem Ungetüm von Fahrrad gekoppelt mit einen Rollstuhl auf Tour von Lodz über Pilsen nach Potsdam gehen und die Friedensfahrer verfolgen wollte. Vielen wurde es bei den Gedanken mulmig, so etwas hatte es in der 54 Friedensfahrtgeschichte noch nie gegeben...

in Lodz        11.5.01

 

Lodz   11.5.01

Am Rundkurs in Lodz           11.5.01

Rast bei Rund um Lodz        11.5.01

Wiedersehen mit alten Kameraden                              Hotel Central Lodz

Eddi Lauke, Gottfried Preising, Rainer Salan und Bernd Drogan 11.05.01

Morgendusche auf einen Campingplatz bei Lodz          12.5.01

 

Abschied vom Campingplatz bei  Lodz         12.05.01
Zusammen mit mir ( Lutz Krajinski, 39 Jahre alt und selbst, trotz starker spastischen Lähmung, begeisterte Dreiradfahrer) in der Sitzschalen und mit dem schon reduzierten und vom Werkzeug bis Turnschuhe doch unentbehrlichen Gepäck brachte es leicht 200 kg auf die Waage. Direkt hinter dem 132 Mann starken Fahrerfeld aus 22 Mannschaften rollten auch wir über die Startstrecken und nahmen den Rundkurs über  47,2 km in Angriff. Das Teerang war ziemlich flach und eignete sich vorzüglich zum Einrollen. Die Renner absolvierten 3 und wir per Rollstuhlfahrrad eine Runde und kamen fast zusammen ins Ziel. In  Richtung Kluczborg wo wir die Friedensfahrt am 13. Mai wieder begegnen wollten, ging es für uns noch 30 km aus Lodz heraus. Ein  Auftakt nach Maß. Wir waren begeistert, auch wenn Gottfried nicht mehr sitzen konnten und er sich erst mit seinen Sattel wieder anfreunden musste. Seine Entscheidung, seinen Lieblingssattel, einen knallharten, zu wählen, war dennoch eine gute Entscheidung. Sie bewährte sich spätestens nach 3 Tagen. Übernachtungen im Voraus zu buchen ist schwer und verhängnisvoll. Wir  wussten nie genau, wie weit wir am Tage radeln und wo wir am Abend landen werden. Holzhütten, Privatzimmer, Pensionen oder kleiner Hotels  ließen sich an der Strecke in der  Regel leicht finden. Hilfsbereit und stets freundlich  nahmen uns die Leute auf und bemühten sich, uns das Quartier  so bequem wie möglich zu machen.

Bananenspende vor Opole                       12.05.01

Auf dem Weg nach Kkluczbork   12.5.01

13.5.01 Unsere nette Gastgeberin

Am Frühstücktisch                                  13.5.01


Angenehme und interessante Gespräche am Frühstückstisch rundete den oft zu kurzen Aufenthalt ab. Morgens galt es meist 6:30 Uhr aus den Federn zu kriechen und möglichst schnell auf das Rad zu kommen. Dennoch dauerte es immer 2 Stunden, bis wir gewaschen, angezogen und gesättigt waren. Gottfried musste mich auch hierbei unterstützen und  oft noch eine steile Treppen herunter führen.

Von Kluczborg ging es weiter nach Nysa, wo uns nach 130 km der Abend wieder zwang, Quartier zu suchen. Eigentlich wollten wir nach ein Stückchen weiter in Richtung Klodzko kommen, um die Friedensfahrer am nächsten Tag dort wieder zu treffen und sie nach Olomouc  zu verabschieden.

Klettern in den Dolomiten              14.05.01

in den Bergen vor Olemouc

Doch dieser Plan war in unerreichbare Ferne gerückt und ließ uns kurz auf Olomouc nehmen. Gegenüber aller anderen Tagen wurde der Tag mit über 25 ° sehr heiß und zwang uns in Jesenik eine längere Pause vor den Bergen einzulegen

Gewaltige kilometerlange  Steigungen von über  12 % standen uns danach bevor.

Kaum zu glauben, aber Gottfried marschiert trotz des gewaltigen Gewichtes und seiner inzwischen 46 Jahren die Bestkiden hoch als hätte er Sehnen wie Drahtseile. Toll, gewaltig und immer wieder beeindruckend diese Bergwelt.

In Olomouc trafen wir nur noch die Nachhut, die Gerüste wieder abbauten an. Leider konnten sie uns nicht im Auto mitnehmen, sodass wir die Friedensfahrt etwas aus den Augen verloren und erst in Zwickau wieder mit ihr gemeinsam einrollten.

½ Stunden zu spät in Olomouc               15.5.01

zu spät in Olemouc angekommen                           15.5.01

13 km nach Pilsen –
unsere nächtliche  Quartiersuche bescherte dieses Paradies      

Auf der Straße  von Pilsen nach Karlory Vary       16.05.01

Zwischenstop an der  Europa-Radschule in Reuth

 

Gewaltige kilometerlange  Steigungen von über  12 % standen uns danach bevor. Kaum zu glauben, aber Gottfried marschiert trotz des gewaltigen Gewichtes und seiner inzwischen 46 Jahren die Bestkiden hoch als hätte er Sehnen wie Drahtseile. Toll, gewaltig und immer wieder beeindruckend diese Bergwelt.
In Olomouc trafen wir nur noch die Nachhut, die Gerüste wieder abbauten an. Leider konnten sie uns nicht im Auto mitnehmen, sodass wir die Friedensfahrt etwas aus den Augen verloren und erst in Zwickau wieder mit ihr gemeinsam einrollten.

 

 

den Berg Jachimov hoch                             16.5.01

 Das Wiedersehen war dafür umso schöner und viele konnten nur noch stauen, wie wir über die gewal-tigen Berge und sogar über den Jachimov  hoch nach Bozi Dar gekommen sind. Das Hupen der Begleit-fahrzeuge der Friedensfahrt, angefangen von der Technik, die dem Feld voraus oder hinterher fuhren, über Wagen vom Presse, Rundfunk und Fernsehen bis hin zu Material-und Sponsorenfahrzeugen, wurde mit den Tagen immer lauter. Alle kannten uns und waren beeindruckt von der Leistung. So war es fast normal, dass wir uns in Plauen an den Start stellte und plötzlich von lauter Radfahrern umring wurden, die uns bereitwillig und völlig unkompliziert in ihre Mittel nahmen und mit uns gemeinsam den Ehren-start der Vorletzten Etappe nach Gera vollzogen.

Kurzbesuch bei Gottfrieds Mutter in Gottesgrün        17.05.01

Während uns auf der gut ausgebauten aber monotonen Europastrasse von Pilsen nach Karlovy Vary lange Zieher und scharfer Seitenwind das Leben erschwerte, ermüdeten im Vogtland kürzere aber dafür steilere und häufigere Hügel. So war es eine gute Idee von Reichenbach nach Wittenberg einen Transfer einzubauen. Die Wittenberger empfingen uns mit  einer lustigen Radparty. Leider konnten wir uns wegen Quartiersuche nicht lang auf ihr vergnügen. Wurden dafür aber am Morgen vom Wittenberger Oberbürgermeister, Erhard Naumann, der vor dem Rasthaus ein komplettes Volksfest anlässlich der Friedenfahrt organisierte, in Richtung Potsdam verabschiedet.

Mittendrin beim Ehrenstart in Plauen           18.5.01

 

Die letzte Etappe war wie weite Strecken der Fahrt kühl und windig. Fast zu kalt, um 10 Stunden oder länger täglich in der Schale des Rollstuhlfahrrades zu sitzen und sich bewegungslos trotz der Spitzengeschwindigkeit von 16 – 18 km/h den Fahrtwind um die Nase blasen  zu lassen.

 Gut eingemummelt in einen Schlafsack konnte man sich aber trotzdem an der Schönheit der Landschaft erfreuen und  das „passive“ Radfahren genießen.

 

Zwischenstopp in Wittenberge                 am 19.5.01

Potsdam  19.5.01

mit Olaf Ludwig in Potsdam     19.5.01

Zum Friedensfahrtsfinale gab es ein großes Radlerfest im zur BUGA wiedererblühten Lustgarten in Potsdam. Der Däne Jakob Piil hat die 54. Internationale Friedensfahrt gewonnen. Dem Rad-Profi aus dem Team CSC World Online genügte auf dem Schlussabschnitt von Schkeuditz nach Potsdam über 166 km ein Platz im geschlossen ankommenden Feld zur Verteidigung der Spitzenposition.

Potsdam    19.5.01

Siegerehrung bei der 54..Friedensfahrt in Potsdam       am 19.5.01

Zweiter der Gesamtwertung wurde der Spanier Aitor Garmendia vom Team Coast vor dem Polen Radoslaw Romanik (CCC Mat). Als bester Deutscher kam der Geraer Enrico Poitschke aus Gera vom Leipziger Team Wiesenhof auf den sechsten Rang.

 

Letzter Tagessieger wurde in Potsdam Tilo Schüler aus Fürstenwalde. Der 21-Jährige, der für die deutsche Nationalmannschaft (U 23) fährt, gewann den Massenspurt vor dem Italiener Crescenzo d'Amore (Mapei) und Andreas Beikirch (Büttgen).